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Das lesende Ich

  • Alexander Ammann

摘要

Es ist schon bemerkenswert, dass sich ein fundamentaler Diskurs zur Schriftlichkeit erst nach über 2000 Jahren mit der Entwicklung der sumerischen Keilschrift (ca. 2700 v. Chr. – 400 v. Chr.), in dem Werk Phaidros von Platon (428/427 – 348/347 v. Chr.) dahingehend entfaltete, die Errungenschaft der Schrift kritisch zu bewerten, da die Zeugenschaft und Artikulationskraft der Rede größer ist als die Gedächtnisleistung einer Schrift. Die Authentizität der Rede geht verloren, wobei Platon die Schrift nicht prinzipiell ablehnt, sondern ihr auch eine andere Bedeutung zumisst, die im Kontext dieses Werkes „Heilkraft der Literatur“ zu betrachten ist, indem er sie als (φάρμακον) bezeichnet, d. h. als Arznei, die je nach Dosis, eine heilende oder giftige Wirkung haben kann. So hat auch noch heute diese Bemerkung von Platon seine Relevanz nicht verloren, denn man kann z. B. von einer iatrogenen Krankheit sicherlich auch sprechen, wenn beim Lesen mancher Beipackzettel mit ihren Nebenwirkungen von Medikamenten psychisch bedingte Leiden ausgelöst werden, aber auf der anderen Seite die aufklärende Begleitliteratur zu Therapiemaßnahmen diese aktiv unterstützen.