Krisenorte: Lager, Flucht und Landnahme
摘要
Der Raum kommt in Appelfelds Erzählwerk unterschiedlich zur Darstellung: Meist lassen die Hauptfiguren nach Kriegsausbruch schlagartig Heimat und Familie hinter sich. In Gang gesetzt ist damit eine Fluchtgeschichte, bei der die Figuren bei Bauern, in Bordellen, Wäldern oder Gehöften Unterschlupf finden. Entweder enden die Erzähltexte dann auf einer letzten Fluchtetappe in den Süden oder mit der Überfahrt nach Eretz Israel. Bei ihrer Suche nach Verstecken müssen Appelfelds Figuren meist Grenzen überschreiten. Während diese Transgressionen als Fluchtmechanismen aus dem politischen Zentrum zu verstehen sind, werden einsetzende Auslagerungen jüdischer Menschen als Inversion der Raumordnung reflektiert. Als ‚Ausgesetzte‘ müssen Appelfelds Figuren die Heimat verlassen, ohne jedoch an den Andersorten oder den Exilorten je heimisch zu werden. Das Werk Appelfelds, das sich auch aus den Erinnerungen und Ambivalenten der heimatlichen Bukowina speist, hat somit Teil an dem Diskurs über Zugehörigkeit, über das (Nicht-)Angekommen-Sein und die Landnahme. Flucht, Erinnerungslandschaften und Exilsorte sind strukturbildende Komplexe seiner Erzähltexte, deren wechselseitige Bezüglichkeiten in diesem Kapitel entlang unterschiedlicher Romane veranschaulicht werden.