Theorie und (Kon-)Texte
摘要
Appelfelds Werk lässt sich als eine Auseinandersetzung mit Erscheinungsformen und Ausprägungen von Religion deuten. Durch die Art und Weise, wie Appelfeld in seinem Werk religiöse Themen und Fragestellungen verarbeitet, erscheinen für die Analyse traditionelle theologische Konzepte kaum zielführend, weshalb zunächst grundlegend zu fragen ist, wie sich Religion literarisch in Szene setzen lässt. Dazu eröffnet dieses Kapitel das für diese Arbeit relevante Diskursfeld in mehreren Schritten: Nach einer Reflexion auf die Bezeichnung „Literatur und Religion“ und ihrer Versionen wird ausgehend von einem stärker relationalen Verhältnis die Debatte zur „Narrativen Theologie“ vertieft, insbesondere der Umstand, dass sich um den narrativen Kern im Laufe der Zeit hermeneutische und historische Schichten gelegt haben. Eine derart verstandene Theologie verlangt, an der narrativ-memorativen Grundverfassung zu arbeiten, deren Basis Erzählung und Erinnerung sind. Da für alles, was in der vorliegenden Studie mit Blick auf Appelfelds Erzähltexte untersucht wird, neben den Erzähl- auch die Erinnerungsdiskurse bedeutsam sind, werden die vielfältigen Ausprägungen von Erinnerung und Gedächtnis theoretisch grundgelegt. Besonderes Augenmerk gilt dabei der narrativen Verfasstheit autobiographischen Erinnerns, (biblischen) Erinnerungsfiguren sowie den Kehrseiten der Erinnerung: dem Vergessen, dem Verdrängen und dem Trauma.