Der Beitrag zeigt anhand der Novelle über den langobardischen König Agilulf (Decameron III,2), wie Boccaccio im Decameron die Zuverlässigkeit von Zeichen problematisiert. Die Novelle wird zunächst in rechtshistorischer Perspektivierung in den Blick genommen und als eine kritische Auseinandersetzung mit tiefgreifenden Wandlungsprozessen im spätmittelalterlichen Beweisrecht gelesen. In einem zweiten Schritt folgt eine politische Lesart: Indem die Novelle die Manipulierbarkeit herrschaftlicher Repräsentationsformen vor Augen führt, stellt sie die Legitimation politischer Machtverhältnisse infrage. Dieser Befund ist so brisant, dass Boccaccio ihn nicht an einem Beispiel aus dem Trecento vorführt, sondern an einer stark schematisierten, archaisch anmutenden Erzählung, die – ein Einzelfall im Decameron – zur Zeit der Langobardenherrschaft spielt.

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Aus Mangel an Beweisen. Boccaccios Infragestellung von Zeichen als Wahrheitsindikatoren im Kontext von Recht und Herrschaft (Decameron III,2)

  • Pia Claudia Doering

摘要

Der Beitrag zeigt anhand der Novelle über den langobardischen König Agilulf (Decameron III,2), wie Boccaccio im Decameron die Zuverlässigkeit von Zeichen problematisiert. Die Novelle wird zunächst in rechtshistorischer Perspektivierung in den Blick genommen und als eine kritische Auseinandersetzung mit tiefgreifenden Wandlungsprozessen im spätmittelalterlichen Beweisrecht gelesen. In einem zweiten Schritt folgt eine politische Lesart: Indem die Novelle die Manipulierbarkeit herrschaftlicher Repräsentationsformen vor Augen führt, stellt sie die Legitimation politischer Machtverhältnisse infrage. Dieser Befund ist so brisant, dass Boccaccio ihn nicht an einem Beispiel aus dem Trecento vorführt, sondern an einer stark schematisierten, archaisch anmutenden Erzählung, die – ein Einzelfall im Decameron – zur Zeit der Langobardenherrschaft spielt.