Verdacht und Tat – Norm und Form: Zu Unsicherheiten in Rechtserzählungen der Sagaliteratur
摘要
Isländersagas handeln von Konflikten im Frühmittelalter, die sich aus einem Verbrechen entwickeln und in deren Rahmen weitere Verbrechen begangen werden. Ihre Handlungen stehen in einem nur schwer aufzulösenden Spannungsverhältnis zum mittelalterlichen isländischen Recht; Sagafiguren handeln in „Fehden“ regelmäßig gesetzeswidrig. Dies entspricht dem Konfliktverhalten während der Entstehungszeit dieser Texte. Vor diesem Hintergrund erscheinen Ambiguitäten in Erzählungen über Tatbestände sowie hinsichtlich des Rechtswissens der beteiligten Figuren kulturgeschichtlich besonders interessant. Es zeigt sich in der Analyse von vier Beispielen (Laxdœla saga, Gísla saga Súrssonar, Bandamanna saga, Brennu-Njáls saga), dass die Sagas Unsicherheiten hinsichtlich Tatbeständen, ethischen Handlungsmotiven sowie des Rechtswissens der Figuren gezielt erzeugen. In allen vier Fällen wird das Publikum dergestalt konsequent zum Geschworenen gemacht, sowohl bezüglich der Bewertung der Figurenhandlungen als auch der Rechtsnormen, ihrer Intention und ihrer Handhabung.