Der römische Roman als Kriminalliteratur: Verbrechen, Strafen und die Suche nach Identität
摘要
Die römischen Romane waren keine Kriminalromane im modernen Sinn; gleichwohl spielen Kriminalität und ihre Bekämpfung in ihnen eine zentrale Rolle. Dass den ‚kriminalistischen‘ Passagen gegenüber der detective story das Investigative, insb. die Figur des Ermittlers, fehlt, ist auf Spezifika des römischen Rechtssystems zurückzuführen. Zum einen spielten Selbsthilfe, Rache und gesellschaftliche Vigilanz eine bedeutende Rolle. Zum anderen gab es keine ausdifferenzierten Ermittlungs- und Anklagebehörden. Das Strafrecht war vielmehr auf das Prinzip der Privatanklage abgestellt. Die Aufgabe des Gerichtes bestand primär in der Feststellung der Schuld und ihrer rechtlichen bzw. ethischen Bewertung. Literarisiert wurde daher nicht die Suche nach dem Mörder, sondern die Brutalität von Tathergang und Strafvollzug, d. h. die Entsprechung von Tun und Ergehen. Anhand von Apuleius’ Metamorphosen zeigt der Beitrag, wie durch Aktivierung der Leser:innen eine Detektivgeschichte ganz eigener Art entsteht, deren zentralen Bezugspunkt Rollenzuschreibungen und Identitätsfragen bilden.