„alles was verdächtig ist“. Zur Poetik der Ermittlung in Schillers Die Polizey
摘要
Der Beitrag untersucht Schillers Dramenfragment Die Polizey vor dem Hintergrund von Luc Boltanskis literatursoziologischer Theorie der Kriminalliteratur. Diese Perspektive bietet den Rahmen für die Analyse einer Poetik der Ermittlung, der Schillers Dramenprojekt noch vor dem für die Mitte des 19. Jahrhundert angesetzten Beginn der Kriminalliteratur folgt. Boltanskis Thesen zum spezifischen Realitätsverständnis der Kriminal- und Detektivliteratur werden in einem ersten Schritt operationalisiert und auf die Verfahren der Liste sowie die repetitive Erzählstruktur der Ermittlung zugespitzt. Dergestalt schlägt der Beitrag vor, Schillers Polizey als Beginn einer Poetik der Ermittlung zu lesen, wobei der universelle Verdacht die verschiedenen Teile des Fragments in ihrer Weltbildung verbindet und insbesondere einen Brückenschlag zwischen den bisher meist separat gelesenen Entwürfen als Trauerspiel und Lustspiel erlaubt.