Zwischen Indien und Paris, zwischen Pothier und Voltaire: Der Fall Cotterel contra Compagnie des Indes 1757
摘要
Der ehemalige Angestellte der Compagnie des Indes Cotterel forderte von dieser seit 1751 Aufwandsentschädigung für geleistete Dienste in Indien und 660.000 livres als Beute-Beteiligung an der Kaperung eines englischen Schiffs. Der Advokat Louis Mannory bereitete seine requête beim Conseil du roy als höchstmöglicher Spruchinstanz vor. Das Plädoyer, 1757 als mémoire gedruckt, zeigt das Spiel des Anwalts, der ehemaliger Freund, dann Gegner Voltaires war, mit den Grenzen des Genres: juristisch greift er auf das römische Recht im Sinne Pothiers zurück, tendiert zu naturrechtlicher Rationalität (Grotius, Pufendorf) gemischt mit einer auf Billigkeit (aequitas) jenseits von Wortklaubereien und Beweisverunklarungen seitens der Compagnie zielenden „Jurisprudenz der Empfindsamkeit“. Diese Wirkungsästhetik, den Mandant in seinen aufopferungsvollen Taten für die Nation zu heroisieren und zugleich unentschädigt, bemitleidenswert vorzustellen, wird an manchen Stellen ‚übersteuert‘ durch andere Fokalisierungen, die den Text in die Nähe von Unterhaltungstexten rücken bis hin zur gegenstrebigen ironisch-süffisanten Textualität des Salongenusses – so verbanden französische Aufklärungsjuristen verschiedenste Formen und Text-skopoi im Gewand des jurisdiktionell-administrativen Genres.