A head for a hand: Storytelling und Spurenlese in Shakespeares Titus Andronicus
摘要
Dieser Aufsatz betrachtet Shakespeares Rachetragödie Titus Andronicus (um 1591) in der Tradition der Detektivgeschichte. Identifiziert werden Prozesse des Spurenlesens, die der forensischen Rekonstruktion von Tathergängen und damit dem (Nach-)Erzählen von Geschichten dienen. Spuren, im Sinne von Abdrücken und Eindrücken, die solche hermeneutischen Lektüren erlauben, werden in dem Drama in erster Linie durch die gewaltsame Einwirkung auf Körper kreiert. Demzufolge konzentriert sich der Beitrag vor allem darauf, wie die Kontextualisierungen von Körperfragmenten zur Entwicklung des Plots beitragen. Geprägt sind diese Vorgänge von einer die Handlung durchdringenden Vergeltungslogik, die einen regen Austausch von retributiven Verstümmelungen produziert. Wird Titus Andronicus auch nicht als Detektivdrama neu definiert, so werden doch Elemente dieser Gattung herausgearbeitet, die bereits das Rachedrama der frühen Neuzeit als entfernten Vorläufer des Genres nahelegen.