Writing back to Germany from the margins: Strategien der Kanon-Aneignung in der Minderheitenliteratur der Nachwendezeit
摘要
Der Beitrag bietet eine dezentrierte Lesart der Produktion deutschsprachiger Schriftsteller*innen ‚mit Migrationshintergrund‘, bei der diese als vollwertige Akteur*innen des Literaturfeldes und nicht, wie es häufig geschieht, als bloße Importeur*innen fremder Referenzsysteme betrachtet werden. Ausgehend von den Debatten der Nachwendezeit um Identität und Integration, Kanon und ‚Leitkultur‘ wird aufgezeigt, wie Autor*innen der ersten und zweiten Einwanderungsgeneration literarisch in den Kanon einwandern. Sie eignen sich diesen schreibend an, indem sie auf die hegemonialen Diskurse, die kanonisierten Texten eingeschrieben sind oder diesen nachträglich zugeschrieben werden, reagieren. Die eingesetzten Verfahren zielen darauf ab, die nationalen wie supranationalen ‚Meistererzählungen‘ aufzubrechen, um integrative, transnationale und polydirektionale Logiken zum Vorschein zu bringen. So ist in Texten von Rafik Schami, Emine Sevgi Özdamar, Feridun Zaimoglu u. a. eine Transkodierung und Re-Semantisierung tradierter Referenzen zu beobachten, die darauf hinausläuft, marginales bzw. minoritäres Wissen zu normalisieren. Der Beitrag interpretiert diese intertextuellen Schreibpraktiken als gegendiskursives ‚Writing Back‘, bei dem es sowohl um die Aushandlung der Beziehung zwischen minorisiertem Subjekt und Nation als auch um die eigene Verortung im Literaturfeld geht.