Macht und Wertung. Überlegungen zu einer Literaturtheorie der Postmigration
摘要
Der Aufsatz wertet Aspekte der interkulturellen und postkolonialen Literaturtheorie aus, die aus Sicht einer Literaturtheorie der Postmigration anschlussfähig sein könnten, benennt aber auch Unterschiede. Gemeinsamkeiten bestehen hinsichtlich poetischer Figurationen, die Differenzen kritisch befragen, wie etwa Figurationen des Übergangs oder der grenzüberschreitenden Ähnlichkeit, sowie hinsichtlich der literarischen Kritik an ethnisierenden oder kulturalistischen Machtasymmetrien. Beide Ansätze, Interkulturalität und Postkolonialismus, rechnen aber noch nicht mit der Möglichkeit einer postmigrantischen Gesellschaft. Der Beitrag diskutiert literaturtheoretische Implikationen der Frage, ob und inwiefern Postmigration zum gesellschaftlichen Leitbegriff avancieren wird. Jetzt schon zeichnet sich ab, dass das Postmigrantische sich von der Form zum Medium entwickelt, dass es also (z. B. in Grjasnowas Der Russe ist einer, der Birken liebt) nicht mehr als etwas Ereignishaftes erzählt wird, sondern in den Hintergrund gerät; Rassismus ist hingegen selbstverständlich das Unerhörte, Bekämpfungswürdige.