Der Rabe und Leberkäs’ Hawaii – Text-Geselligkeiten und Geschmacksgemeinschaft
摘要
Der Beitrag beschäftigt sich mit der Selbstinszenierung des Haffmans Verlags. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Magazinen Der Rabe und Die Rübe. Vor allem der Rabe erweist sich nicht nur als Spiegel das Haffmans-Verlagsprogramms, sondern auch als ein herausragendes kultur- und diskursgeschichtliches Dokument der Selbstbeobachtung von Literatur und Kultur über fast ein Vierteljahrhundert. Im Zentrum der Betrachtung steht das Verfahren des Raben, in einem buchinternen Kommunikationsraum von Schrift und Bild aus einer ‚Gesellschaft‘ von Texten eine Art von ‚Lesegesellschaft‘ als ‚Geschmacksgemeinschaft‘ zu formen, die zugleich eine verlässliche Käufer- und Sammler-‚Gemeinschaft‘ bildet. Als funktional erweisen sich die kulinarischen Zumutungen und ‚Geschmacklosigkeiten‘ der Zeichnungen und Texte von Volker Kriegel, Eckhard Henscheid, Gerhard Polt und anderen innerhalb und außerhalb des Raben, dem sie damit ein satirisches ‚Gegengift‘ gegen das bildungsbürgerliche Decorum ‚geschmäcklerischer‘ Wertung verabreichen. Der Versuch des Haffmans Verlags, im Medium des Raben große Teile eines Weltliteraturkanons auf unterhaltsame Weise einer ‚konservativen Modernisierung‘ zu unterziehen, kann angesichts des Konkurses des Verlags im Jahr 2001 als gescheitert gelten: Die Inszenierungspraktiken dieses Wertungs-Habitus erweisen sich ex post als gemeinschaftsstiftende Illusion, die ihr Verfallsdatum erreicht hat.