Fall 42 (NERD): Patient mit Kunstherz, ICD-Schocks und „komischen EKG-Artefakten“
摘要
Ihr seid mit primär alarmierten RTW und NEF auf dem Weg zu einem Patienten mit Zustand nach Schockauslösung durch den ICD. Du sprichst auf der Anfahrt aus, was dein Fahrer ebenfalls denkt: „Bei liegendem ICD sind die Patienten meist per se schon ziemlich herzkrank.“ Als du den Zusatz in der Depesche weiter unten liest, bleibt dir kurz der Mund offen stehen. Lapidar steht dort tatsächlich: „Kunstherz-Träger“. Du überbringst die Nachricht deinem Kollegen, der den Blick nicht von der Straße nehmend, seine Augenbrauen so hoch zieht, wie du es zuletzt bei Bert in der Sesamstraße gesehen hast. Den Rest der Fahrt sitzt ihr schweigend nebeneinander und bereitet euch vor, an eure (notfallmedizinischen) Grenzen gebracht zu werden. Ihr trefft den 42-jährigen Patienten in der Wohnung sitzend an. Er ist unruhig, aber orientiert. Er berichtet von mehreren ICD-Schocks, die er bei vollem Bewusstsein mitbekommen hat. Am Monitor-EKG seht ihr nur Artefakte, sodass ihr auf einen Ausdruck des EKG oder gar ein 12-Kanal-EKG verzichtet. Eine Pulskurve via SpO2-Clip ist ebenfalls nicht ableitbar, die Blutdruckmanschette pumpt sich mehrfach auf, wirft aber auch keinen Wert aus. Einen Radialispuls könnt ihr nicht tasten. Etwas frustriert konstatiert ihr: Die Vitalparameter sind schlichtweg nicht zu erheben. Euch beruhigt eigentlich nur, dass der Patient mit euch spricht, dann müssen ja Herzfrequenz, Puls und Blutdruck einigermaßen in Ordnung sein. Ihr seid nur 3 min von der Notaufnahme entfernt. Da so viele Risikofaktoren und Unbekannte bestehen, beschließt ihr, nach „load and go“ zu verfahren und ohne weitere Maßnahmen die Fahrt anzutreten. Zumal aktuell Thoraxschmerzen und Atemnot verneint werden, ebenso gibt es keine Änderungen der umfangreichen häuslichen Medikation. Der junge Notarztkollege setzt sich selber etwas unruhig und „bewaffnet“ mit dem Magnet aus dem NEF neben den Patienten, während er unseren gemeinsamen Patienten nicht aus den Augen verliert. Er schlägt als Monitoring die endtidale CO2-Messung per Nasenbrille vor, die ein gleichbleibendes CO von 27 mmHg bei einer Atemfrequenz von 20/min zeigt. Kurze Zeit später kommt ihr in der ZNA an. In der Klinik sind noch weitere Informationen durch Unterlagen zu Vor-Aufenthalten zu dem Patienten zugänglich: Er ist bei terminaler Herzinsuffizienz für eine Herztransplantation gelistet und mit der Indikation als sog. „bridge to transplantat“, d. h. vorübergehend bis zu einer Herztransplantation mit einem Linksherzunterstützungssystem (LVAD) versorgt. Auffallend sei am Controller seines LVAD ein deutlich vermindertes Pumpen-Herzzeitvolumen seit dem Schockereignis. Nach dem Umlagern des Patienten wird in der Notaufnahme nach ABCDE evaluiert, was ihr in der Kürze der Zeit und bei aus eurer Sicht nicht zu erhebenden Vitalparametern unterlassen hattet.