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Fall 21 (ADVANCED): „Tut nur noch ein bisschen weh“

  • Steffen Grautoff,
  • Klaus Fessele,
  • Niclas Knappen

摘要

Der 55-jährige Patient hatte sich heute mit thorakalen Beschwerden bei seiner Hausärztin vorgestellt. Diese hatte ihn zu einem niedergelassenen Kardiologen überwiesen, an dem er am gleichen Tag noch vorbeigehen konnte. Dieser wiederum wies ihn mit der Verdachtsdiagnose „akutes Koronarsyndrom“ in die Notaufnahme ein. Dieser Fall sagt viel über das Gesundheitssystem aus. Es wird geworben, dass normale Menschen unterscheiden können sollen, ob sie ein schwerer Notfall sind oder nicht und entsprechend die Notrufnummer „112“ oder die Nummer der kassenärztlichen Vereinigung „116117“ anrufen sollen, wahlweise zum Hausarzt oder Facharzt gehen sollen, falls sie dort überhaupt einen Termin bekommen. Jedoch selbst die handelnden Personen des Gesundheitssystems sind sich in diesem Fall – obwohl sie vom Fach sind und andere Mittel zur Beurteilung haben – nicht sicher, in welche Struktur er gehört. Hier entscheidet sich der Patient für den Pfad „nicht schwer krank“ und wird von der ersten ambulanten Struktur in die nächste und von dort mittels eines weiteren Mitstreiters im Gesundheitswesen (Rettungsdienst) in die Klinik geschickt. Der Kardiologe hatte ihm Heparin gegeben (bei ASS-Dauertherapie nicht erneut ASS), durch die Notärztin gab es ASS i. v. doch noch dazu. Wenn man sich 100 %ig sicher ist, dass der Patient ASS nicht nur auf seiner Medikamentenliste stehen hat, sondern es auch einnimmt, kann man prinzipiell darauf verzichten, es zu geben. Nur wann kann man sich 100 %ig sicher sein? Als er nach dieser Odyssee in der Notaufnahme ankommt, sind die Schmerzen „fast weg“. Er guckt ungeduldig Richtung Tür, hat noch einen „wichtigen Termin am Nachmittag“.