Künstliche Intelligenz in der Neuromedizin
摘要
Gerade in der Neuromedizin finden Anwendungen der „künstlichen Intelligenz“ (KI; engl. „artificial intelligence“, AI) und ihrer unterschiedlichen Verfahren wie z. B. maschinelles Lernen und Deep Learning zunehmend Einzug, ihre Zahl steigt exponentiell und sie gelten als revolutionäre Chance für Diagnostik, Prognoseerstellung und Therapie. Durch KI-Systeme können riesige Datenmengen durch Rechenalgorithmen schnell verarbeitet werden. Dies ist in der Neuromedizin besonders attraktiv, weil das Fachwissen schnell anwächst, die Erkrankungen komplexer Natur sind und die Zahl der Betroffenen drastisch zunimmt. Die Steigerungsrate der (potenziellen) Anwendungen ist unter anderem daran abzulesen, dass in den USA bereits mehr als 500 KI-Anwendungen in der klinischen Medizin registriert bzw. zugelassen sind. Erwartungsgemäß reicht das Spektrum der Bewertungen von unkritischer Euphorie (transformativer „Quantensprung“) bis hin zu kulturpessimistischen Bedenken (disruptives Potenzial) und der Diskurs wird schlagwortartig häufig unter dem Motto „Segen oder Fluch“ geführt. Zweifellos tangieren die Prozesse und Ergebnisse des KI-Einsatzes Werte und ethische Prinzipien. Die Entwicklung und Anwendung der KI muss daher sowohl systemisch (Metaebene), als auch institutionell (Mesoebene) und in der konkreten Arzt-Patient-Beziehung (Mikroebene) kritisch und diskursiv begleitet werden. Es soll hier das Spektrum der KI-Anwendungen in der Neuromedizin und deren ethische Implikationen skizziert und diskutiert werden.