Transformationen von Literatur in Zeiten postdigitaler Öffentlichkeiten
摘要
Der folgende Beitrag untersucht die Strukturen, die Produktions- und Rezeptionsbedingungen literarischer Texte in differenten zeitgenössischen Öffentlichkeiten vor dem Hintergrund der digitalen Transformationsprozesse der letzten 25 Jahre. Anhand exemplarischer Analysen unterschiedlicher digitaler Subgenres wird analysiert, in welcher Weise sich die Grundkonstituenten digitaler Texte so radikal verändern, dass es zu einer weitreichenden Rekonzeptualisierung des Literaturbegriffs kommt. Zunächst geht der Beitrag auf Textstrukturen ein, die keine feste, abgeschlossene Form mehr haben, sondern sich auch nach ihrer ersten Veröffentlichung dynamisch unter Beteiligung von digitalen communities weiterentwickeln. In einem zweiten Schritt wird die experimentelle Kombination unterschiedlicher medialer Formate untersucht, die dazu führt, dass die Literatur Bestandteil einer multimedialen Performanz- und Installationskunst wird. Die Aufweichung der Grenzen zwischen fiktionaler Diegese und außerfiktionaler Diskurswelt ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Abschließend werden die Veränderungen der Kommunikationsbedingungen und der daraus resultierenden Neubestimmung von Literatur und kulturellen Verankerung in den postdigitalen Öffentlichkeiten erörtert. In ähnlicher Weise wie die Avantgardekunst des 20. Jahrhunderts scheint die digitale Literatur vor allem die grundsätzliche Frage aufzuwerfen: Was können wir heute unter Literatur verstehen?