Einleitung
摘要
Betrachtet man das Verhältnis von syntaktischen Formen, zu denen Ellipsen gehören, und Literarästhetik, also sprach- bzw. textbezogener Ästhetik, macht man zwei interessante Beobachtungen. Die erste dieser beiden hat ein Abhängigkeitsverhältnis zum Gegenstand: Texte – egal, wie man den Begriff „Text“ genau bestimmt –, werden durch syntaktische Einheiten konstituiert. (Die Konstitutivität syntaktischer Einheiten für den Text kommt sehr deutlich bei Ágel (2017, S. 24 ff.) zum Ausdruck, der für selbstständige syntaktische Einheiten den Terminus „Textglied“ verwendet. Ellipsen und allgemein „kommunikative Minimaleinheiten“ (Zifonun 1997, B3, S. 86 ff.) wären in diesem Sinne als Textglieder zu betrachten (zur kommunikativen Minimaleinheit s. Abschn. 5.2 und 6.1 ). Wie aber beispielsweise Fritz (2017, S. 37 f.) anmerkt, existieren zwischen der Ebene des Textes und der Ebene selbstständiger syntaktischer Einheiten weitere hierarchische Ebenen, die bei der Beschreibung der Struktur eines Textes zu berücksichtigen sind. Er spricht von „funktionalen Textbausteinen“ oberhalb der Ebene des Satzes, mit denen komplexe sprachliche Handlungen vollzogen werden (zum funktionalen Textbaustein vgl. auch Gloning 2010). Die Textglieder Ágels konstituieren in dieser Sicht nicht unmittelbar den Text, sondern werden erst zu bestimmten funktional und thematisch bestimmten Sequenzen und Abschnitten zusammengefasst.) Selbstverständlich treten weitere Kriterien hinzu, die erfüllt sein müssen, um von einem Text sprechen zu können. (So lautet der Textbegriff, den Brinker et al. (2018, S. 17) vorschlagen: „Der Terminus ‚Text‘ bezeichnet eine von einem Emittenten hervorgebrachte begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert“. Die syntaktischen Einheiten finden sich in dieser Bestimmung in „begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen“, die, um texthaft zu sein, kohärent sein und eine erkennbare kommunikative Funktion haben muss. Gerade die Frage nach der kommunikativen Funktion literarischer Texte, die eine alles andere als einfache Frage ist, wird ausführlich in Kap. 2 dieser Arbeit behandelt.) In jedem Fall aber ist das Vorhandensein syntaktischer Einheiten eine notwendige Bedingung dafür, etwas als Text zu bezeichnen, wenn auch keine hinreichende.