Zwischen Typisierung und Transzendenz – Masken als Grenzgänger der Sinnordnung
摘要
Die Corona-Pandemie bescherte den Masken einen großen Auftritt. Viele Monate bestimmten sie als Schutzmasken die Face-to-Face-Begegnungen. In dieser Funktion sind Masken ein einfaches und probates, aber auch sehr auffälliges Mittel beim Virenschutz. Mit einigem Zeitabstand deutet sich nun an, dass die Coronamasken zum Symbolbild für den ganzen Zeitabschnitt werden. Wer an Corona denkt, denkt ziemlich schnell an Masken. Die Sinnkopplung Coronazeit/Maskenzeit wird zum Angelpunkt einer kollektiven Erinnerung, an der sich viele weitere Erinnerungen festmachen und organisieren. Wie kann relativ simplen Schutz- und Gebrauchsmasken eine solche Rolle zuwachsen? Die Antwort führt auf vielfältige Verstrickungen von Masken in die Sinnstrukturen des Alltags. Und sie öffnet einen Blick auf die Wirksamkeit von Masken, der die Maskenreflexion insgesamt ergänzen und erweitern kann. Denn tatsächlich sollten neben den dort gut vertretenen Spielmasken und kultischen Masken auch die Schutz- und Gebrauchsmasken miteinbezogen werden. Denn sie stellen – so die hier vertretene These – einen dritten grundlegenden Maskentypus dar. Die Ergänzung und Erweiterung der Debatte, die damit vorgeschlagen wird, führt auf eine zwischen Spiel, Kult und realer Alltagswirklichkeit dreigeteilte Sinnordnung der Maskenwelt. Und paradoxerweise führt sie auch auf eine Relativierung dieser Einteilung, die spezifisch mit den Masken zusammenhängt. Denn einerseits ist es diese Einteilung, aus der sie ihrer sinnhaften Grundtypik nach heute verstanden werden. Andererseits sind Masken aber dezidierte Grenzgänger der Sinnordnung. Und sie unterminieren mitunter gerade das, was sie verständlich macht. Sie befördern ein manchmal chaotisches, manchmal subversives oder auch hoch kreatives Crossover des Sinns.