„Das durchaus originelle jeder ächttragischen Sprache, das immerwährendschöpfrische…“. Hölderlins Performativität
摘要
Dieser Beitrag versucht zu zeigen, dass eine strenge Abgrenzung zwischen einer sprachphilosophischen, Subjekt- und Welt-konstituierenden und ästhetisch-darstellenden Performativität die Singularität von Hölderlins Werdegang verfehlen würde. Die Überschneidungen und die sich immer stärker abzeichnende Kontinuität eines performativen Denkens und Schreibens machen auch eine traditionelle Trennung zwischen einem ‚theoretischen‘ – philosophischen, theologischen, poetologischen – Hölderlin und dem Dichter (einschließlich des eigensinnigen Übersetzers von Sophokles, Pindar u. a.) schwierig, wenn nicht sogar problematisch. Von den frühen philosophischen Entwürfen über die größeren ästhetisch-poetologischen Fragmente zu den späteren und späten Gesängen, Gesangsentwürfen und dramaturgischen Sophokles-Anmerkungen entfaltet sich Hölderlins Idee einer Sprache produzierenden und zugleich in und von ihr performierten, d. h. prozessual durchgeführten „schöpferischen Reflexion“, die in der tragischen Performance zu einem radikal performativen ‚tödtlichfactischen‘ oder ‚tödtendfactischen‘ Wort wird.