Das Gewebe
摘要
Wir wollen uns nicht von einfachen Antworten verführen lassen, wir wollen nicht die einzelnen Fäden betrachten und daraus Schlüsse ziehen, wir wollen das ganze Gewebe betrachten, das aus ihnen entsteht. Es ist ein großes, buntes Tuch. Wir begannen mit den vielfältigen Vorteilen, groß zu sein, und den kleinen Nickeligkeiten, mit denen man – ganz unbewusst – die Kleinen unter uns kränkt, dem „Wer ist besser als der andere“. Es folgten die Fäden der Physiologie: Wie geht das eigentlich mit dem Wachsen und der Wachstumsfuge, den Hormonen, dem Hypothalamus? Und wir lernten die roten Fäden des Zweifels kennen. Und die verstaubten Fäden und die Glitzerfäden bizarrer Literatur. Wir nahmen Fäden der Evolution auf und haben sie miteinander versponnen. Und wir haben Sie mit Fäden der Netzwerkmathematik vertraut gemacht, mit Gruppengrößen und dem Größenwahn der Tempelanlagen von Göbekli Tepe. Uralte Fäden und moderne Fäden, Rivalenkämpfe und Facebook-Freunde. Wir haben die Diskrepanz zwischen evolutionär konservierter Biologie und heutigen Auffassungen von Freiheit und Chancengleichheit gesehen. Weder können wir unsere Biologie ignorieren, noch wollen wir auf unsere Kultur verzichten. Und immer noch sieht es so aus, dass die Menschen sich zum Lichte drängen, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen. Diejenigen, die heute glänzen, sind die Kristallisationskerne der sozialen Strukturen von morgen. So sieht die Wirklichkeit aus. Sie wird seit Jahrhunderten in unserer Literatur beschrieben. Sie ist ernst – aber wir müssen uns fragen, ob wir diese Wirklichkeit auch so ernst nehmen müssen, wie sie uns präsentiert wird. Ob wir sie möglicherweise hinterfragen und in unserem Sinne neu und anders strukturieren können. Ob wir mit ihr spielen dürfen. Und deshalb wollen wir unsere Fäden zu einem Tuch zusammenführen, zu einem Tuch mit sehr charakteristischen Webmustern, die wir kennen lernen möchten.