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Kriminalistische Serendipity – und über die Methoden hinter dem Mythos „Sherlock Holmes“

  • Hedda Holzhauer

摘要

Kriminalistische Ermittlungen werden vom Primat der Logik beherrscht und orientieren sich somit oft am Vorbild der literarischen Figur Sherlock Holmes als vermeintlichem Vertreter des logischen Denkens. Allerdings handelt es sich gerade nicht um berechenbare „mathematische Verfahren“, die die Kriminalistik zu einem „‚strukturierte[n] Problembereich[.]‘“ machen würden (vgl. Dreyfus und Dreyfus 1991, S. 42). Es ist vielmehr der gekonnte Umgang mit den die „meisten Anwendungsgebiete von Können und Expertentum“ auszeichnenden „Zufälligkeiten und Unsicherheiten“ (Dreyfus und Dreyfus 1991, S. 78), der sich als Serendipity innerhalb des kriminalistischen Denkens niederschlägt. Mit der Reduzierung des kriminalistischen Denkens auf die Logik werden vielmehr die Anforderungen verkannt, die der kriminalistische Alltag an die Ermittelnden stellt. Von daher verwundert es wenig, dass Kriminalist:innen den Begriff „logisch“ auch nicht im Sinne einer mathematischen bzw. formalen Logik (vgl. Hoyningen-Huene 2013) verwenden, sondern im Sinne ihrer Erfahrungswelt als (individuelle) kriminalistische Logik. So wird der Blick für das (entscheidende) Detail mit zunehmender Erfahrung geschärft, worauf die Fähigkeit des Tatortlesens basiert. Die Details – also die „geringfügigen Unterschiede“ (Bell 1892, S. 79) oder Nebensächlichkeiten (vgl. Wind 1994, S. 44 f.) – sind es auch, die das (methoden)verbindende Element der Prinzen von Serendip über Zadig, Morelli, Sherlock Holmes und Freud bis hin zu den Kriminalist:innen darstellen.