Prinzipien der Schlussfolgerung und Inferenz im Lichte serendipitärer Beweisverfahren
摘要
Das Prinzip der Serendipität stellt ein besonderes Phänomen dar, das auf der zufälligen Entdeckung von Indizien beruht, die es unter Zuhilfenahme von Scharfsinn und Kreativität zu evaluieren gilt. Serendipität verfügt daher über ein hohes Distinktionsvermögen gegenüber logischen Schlussfolgerungs- und Inferenzprinzipien wie klassischerweise der Deduktion und Induktion. Der Beitrag nimmt es sich zur Aufgabe, einige der Verfahren, die bei (literarischen) Interpretationsprozessen zum Tragen kommen und die sich in einfache oder komplexe Schlussfolgerungs- und Inferenzmuster einteilen lassen, zu skizzieren. Zunächst werden die drei narratologischen Schlussfolgerungsprinzipien des principle of reality, des principle of minimal departure sowie des mutual belief principle vorgestellt. Anschließend heißt es, komplexe Schlussfolgerungstypen der klassischen Logik zu diskutieren und bei aller Unterscheidbarkeit die strukturelle Nähe zwischen abduktiven und serendipitären Verfahren aufzuzeigen. Um Serendipität an einem literarischen Beispiel zu demonstrieren, wird abschließend E. T. A. Hoffmanns Novelle Das Fräulein von Scuderi (1819) untersucht.