Der Wald in der österreichischen Heimat- und Anti-Heimatliteratur: Peter Roseggers Erzählung Vom Urgroßvater, der auf der Tanne saß und Franz Innerhofers Roman Schöne Tage
摘要
Erfolgt in der österreichischen Heimatliteratur des 19. Jahrhunderts eine narrative Konstruktion des Waldes als Bestandteil einer ideologisch aufgeladenen Heimat, so greift die Anti-Heimatliteratur in den 1960er und 70er Jahren zu Mitteln der Entlarvung eben dieser Zuschreibungen. Ihre kritische Auseinandersetzung mit der Heimat und deren topologischen sowie ideologischen Elementen ist geprägt vom Rückgriff auf Topoi und Motive der Heimatliteratur, allerdings in negativer Verkehrung. In diesem Aufsatz wird an einer Erzählung aus der einschlägigen Sammlung Waldheimat (1877) von Peter Rosegger untersucht, wie die narrative Aneignung rund um den Wald erfolgt. So lässt sich eine Benennung und ideologische Erschließung des Waldes durch die Waldbauern mit gemeinschaftsbildenden historischen und religiösen Dimensionen feststellen. Anschließend dient der Roman Schöne Tage (1974) von Franz Innerhofer als Beispiel für einen Gegenentwurf, der die Darstellung der Natur sowie deren soziale Bedeutung radikal verkehrt, da der Wald keinen Rückzugsraum bietet und ihm gemeinschaftsbildende Funktionen abgesprochen werden.