Substanzgebrauch bei Gefangenen im Justizvollzug: Epidemiologie, Beratung, Behandlung und Selbsthilfe
摘要
Trotz gegenläufig ausgerichteter Sicherungsbestrebungen wird deutlich, dass der Konsum illegaler und auch legaler Drogen für Gefangene in den letzten 40 Jahren zur Alltagsrealität im Justizvollzug geworden ist – und zwar mit steigender Tendenz. Damit verbunden für die Betroffenen sind gesundheitliche Folgeprobleme, v. a. Drogenkonsumstörungen, -notfälle, virale Infektionskrankheiten (v. a. HIV/Hepatitiden), Komorbiditäten und weitere gesundheitliche und soziale Notlagen: Beschaffungsdruck im Gefängnis mit neuen Abhängigkeiten, neue Drogen (z. B. neue psychoaktive Substanzen/NPS), Risiken durch verunreinigte Stoffe, Gewalt, Verschuldungen). Das Gefängnis bildet spiegelbildlich gesellschaftliche Probleme und individuelle Notlagen Drogenkonsumierender ab: neben drogen-bedingter Morbidität v. a. Mortalität an der Schnittstelle unmittelbar nach Haftentlassung. Die Organisation des Drogenkonsums, der Beschaffung, des Verkaufs von Gegenständen verbunden mit Bedrohungen, Schuldeneintreiben und Erpressungen schaffen ein Klima von Hektik, oftmals auch Gewalt im Justizvollzug, das von vielen als völlig vom Drogenthema dominiert erlebt wird. Aber auch die Partner:innen und Angehörigen werden oftmals unter Druck gesetzt, Drogen zu besorgen und einzuschmuggeln.