Ein Pas de deux der Moleküle oder die Entdeckung der Chemie der Psyche
摘要
Die Initialzündung zur Klärung der gewagten These, dass endogene Neurotoxine existieren, die psychische Erkrankungen hervorrufen, fand in einem Labor statt, das sich mit ganz anderen Fragen des „biologischen Universums“ beschäftigte. Um 1935 begann der italienische Mediziner und Physiologe Vittorio Erspamer (Abb. 8.1), sich auf die Magendarmschleimhaut des Kaninchens zu fokussieren. In Extrakten bestimmter Drüsenzellen, den Enterochrom-affinen Zellen, entdeckte er die Aktivität einer Substanz, die die glatte Muskulatur des Darms und des Uterus der Ratte kontrahieren ließ. Als er die Effekte mit Ergotalkaloiden wieder aufheben konnte, stieg sein Interesse an dem unbekannten Molekül. Anhand verschiedener Farbreaktionen vermutete Erspamer, dass es sich bei seiner Verbindung um ein Phenylalkylamin, Phenolderivat oder ein Indol handeln könnte, die er Enteramin nannte. Genaueres konnte er zur Chemie der Verbindung nicht herausfinden, die er danach auch in Gewebeextrakten von Amphibien, Mollusken und Manteltieren sowie in der Milz von Rindern, Schafen, Schweinen und in der des Menschen fand [2, 3].