Verflixt – die Gleichung geht nicht auf
摘要
Vor dem 1. Weltkrieg kontrollierten die deutschen Chemieunternehmen 85 % des globalen Textilfarbstoffmarkts, gefolgt von den Basler Konzernen, die einen Marktanteil von 10 % besaßen. Der Ausbruch des Krieges im Jahr 1914 verschob dieses Kräfteverhältnis innerhalb kürzester Zeit. Die Umstellung der deutschen Industrieproduktion auf kriegsrelevante Güter, Ausfuhrsperren und die britische Seeblockade trafen die deutsche Farbenindustrie an Main und Rhein ins Herz. Ihre Lieferungen an die ausländische Textilindustrie brachen ab. Die Unternehmen in England, Italien, Frankreich und den USA wandten sich jetzt an die Basler Farbstoffproduzenten und bestellten in erster Linie drei Farben: Feldgrau, Feldgrün und Hechtgrau für die Uniformen ihrer Soldaten. Die Sandoz AG profitierte am meisten von den Marktverschiebungen. Waren 1914 noch sechs Millionen Schweizer Franken mit Textilfarbstoffen umgesetzt worden, so entwickelten sich die Verkäufe innerhalb von vier Jahren auf 37 Mio. Melchior Böniger (Infokasten 1), einer der beiden Firmendirektoren, erwartete, dass mit Kriegsende die deutschen Chemieunternehmen den Markt wieder beliefern und im Gegenzug die Umsätze der Farbstoffdivision der Sandoz AG einbrechen würden [1].