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Ein Jurist klärt die Natur des Mutterkorns auf, für die Apotheker bleibt es ein harter Brocken

  • Frank Petersen

摘要

Aus England war eigens Chloroform für die neuartige Geburtshilfemethode der „unterbrochenen Narkose“ nach Berlin geschickt worden. Das Narkotikum war der Dernier Cri der damaligen Obstetrik. Während kurzer Betäubungsphasen sollten die Kreißenden entlastet werden, um neue Kräfte zu sammeln. Königin Victoria von England hatte es bei ihren Geburten wunderbar geholfen, und nun sollte es auch ihrer Tochter „Vicky“, der Prinzessin Victoria von Preußen, bei der Geburt ihres Kindes gute Dienste leisten. Aber es kam alles anders. Die Leibärzte hatten bei Victoria zu spät eine Beckenendlage des Kindes diagnostiziert, sodass eine äußere Wendung nicht mehr möglich war. Der Leiter der Entbindungsanstalt der Charité Prof. Eduard Arnold Martin wurde eiligst in das Kronprinzenpalais gerufen. Da Victoria unter ungewöhnlich starken Schmerzen litt, wurde entschieden, sie immer wieder zu narkotisieren – über Stunden hinweg. Die Anästhesie reduzierte aber die Wehenkräfte, sodass Martin in der Austreibungsphase dreimal Mutterkorn verabreichte. Die hohe Dosierung stimulierte den Uterus zu stark, wodurch Hals, Kopf und Nabelschnur im Geburtskanal eingeklemmt und die Blut- und Sauerstoffversorgung bedrohlich eingeschränkt wurden: Der Junge schwebte in akuter Lebensgefahr. Martin und den assistierenden Ärzten blieben nur noch wenige Minuten, um das Kind zu retten. Wilhelm wurde unter dem Flanell-Rock mit aller Kraft und mithilfe des Veit-Smellie-Handgriffs zur Armlösung und Kopfentwicklung ans Licht der Welt gezerrt. Dabei riss sein linkes Armnervengeflecht ab [1, 2].