Die Förderung der Urteilskompetenz von Schüler*innen spielt über alle Fächer hinweg eine zentrale Rolle im Unterricht der gymnasialen Oberstufe. Allerdings ist für das Fach Psychologie bislang nicht systematisch geklärt, was man unter psychologischer Urteilskompetenz verstehen kann und wie demzufolge ein Unterricht gestaltet werden kann, der diese Kompetenz fördert. Dies ist auch ein bedeutsamer Mangel für die Ausbildung von Lehrkräften, wenn sie auf die Durchführung von anspruchsvollem Unterricht vorbereitet werden sollen. Vor diesem Hintergrund wird hier ein Modell der Urteilsbildung für den Psychologieunterricht vorgestellt (Abschn. 5.3.4). Zunächst wird mit Rückgriff auf den allgemeinen Bildungsauftrag der Schule und Überlegungen zur Wissenschaftsorientierung und Wissenschaftspropädeutik der Rahmen aufgespannt, in den sich dieses Modell einfügen müsste (Abschn. 5.2). Im Anschluss wird anhand der Fachdidaktik anderer Fächer und älterer psychologiedidaktischer Überlegungen vorgestellt, was man unter einem psychologischen Urteil verstehen kann und wie der Prozess der Urteilsbildung im Unterricht aussehen könnte (Abschn. 5.3.1–5.3.3). Aus dem für den Psychologieunterricht adaptierten Modell der Urteilsbildung leiten sich schließlich Implikationen für die Gestaltung von Unterricht ab (Abschn. 5.4–5.5), die anhand einer Unterrichtssequenz zu aktuellen Debatten um das Stanford-Prison-Experiment illustriert werden (Abschn. 5.6). Abschließend werden Perspektiven für eine weitere Diskussion aufgezeigt, darunter die Frage, welche Konsequenzen sich aus dem Modell für die Ausbildung von Lehrkräften ergeben.

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Urteilsbildung als ein didaktisches Modell für den Psychologieunterricht

  • Christine Schreiber,
  • Justine Patrzek

摘要

Die Förderung der Urteilskompetenz von Schüler*innen spielt über alle Fächer hinweg eine zentrale Rolle im Unterricht der gymnasialen Oberstufe. Allerdings ist für das Fach Psychologie bislang nicht systematisch geklärt, was man unter psychologischer Urteilskompetenz verstehen kann und wie demzufolge ein Unterricht gestaltet werden kann, der diese Kompetenz fördert. Dies ist auch ein bedeutsamer Mangel für die Ausbildung von Lehrkräften, wenn sie auf die Durchführung von anspruchsvollem Unterricht vorbereitet werden sollen. Vor diesem Hintergrund wird hier ein Modell der Urteilsbildung für den Psychologieunterricht vorgestellt (Abschn. 5.3.4). Zunächst wird mit Rückgriff auf den allgemeinen Bildungsauftrag der Schule und Überlegungen zur Wissenschaftsorientierung und Wissenschaftspropädeutik der Rahmen aufgespannt, in den sich dieses Modell einfügen müsste (Abschn. 5.2). Im Anschluss wird anhand der Fachdidaktik anderer Fächer und älterer psychologiedidaktischer Überlegungen vorgestellt, was man unter einem psychologischen Urteil verstehen kann und wie der Prozess der Urteilsbildung im Unterricht aussehen könnte (Abschn. 5.3.1–5.3.3). Aus dem für den Psychologieunterricht adaptierten Modell der Urteilsbildung leiten sich schließlich Implikationen für die Gestaltung von Unterricht ab (Abschn. 5.4–5.5), die anhand einer Unterrichtssequenz zu aktuellen Debatten um das Stanford-Prison-Experiment illustriert werden (Abschn. 5.6). Abschließend werden Perspektiven für eine weitere Diskussion aufgezeigt, darunter die Frage, welche Konsequenzen sich aus dem Modell für die Ausbildung von Lehrkräften ergeben.