Schon der Titel des Kapitels verweist darauf, dass die Frage, ob Selbsterfahrung im Psychologieunterricht einen Platz haben sollte, schwierig zu beantworten ist. Bei einem Fach, in dem menschliches Verhalten und Erleben im Zentrum steht, scheint es naheliegend, dass persönliche Erfahrungen und individuelles Erleben der Schüler*innen einbezogen werden können oder sogar sollten, zumal Selbsterfahrung im Kontext von Ausbildung und Berufspraxis vieler Psycholog*innen relevant ist. Dem entgegen stehen unter anderem die Funktion und Rahmenbedingungen von Schule und die Rolle der Lehrer*innen im System Schule. Nach einem Rückblick auf unterschiedliche didaktische Positionen und insbesondere auf die Sichtweise von Ansätzen der Humanistischen Pädagogik (Abschn. 13.3), wird das Für und Wider eines selbsterfahrungsorientierten Psychologieunterrichts diskutiert (Abschn. 13.4). Der Chance, die Inhalte des Faches nicht nur als kognitive Wissensbestände zu vermitteln, sondern lebendig und persönlich bedeutsam werden zu lassen, steht das Risiko gegenüber, im Rahmen von Schule notwendige Grenzen zu überschreiten. Im Ergebnis wird für einen sehr vorsichtigen und reflektierten Einsatz einzelner Selbsterfahrungselemente nur unter bestimmten Voraussetzungen plädiert (Abschn. 13.5). Einige Beispiele aus der Unterrichtspraxis der Autorin zeigen Möglichkeiten, wie Selbsterfahrungselemente punktuell genutzt werden können (Abschn. 13.6). Das Dilemma kann in diesem Kapitel nicht aufgelöst werden, aber der Einsatz und die Grenzen von Selbsterfahrungselementen im Psychologieunterricht sollten im Rahmen der Psychologiedidaktik weitergehend erforscht werden (Abschn. 13.8).

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Selbsterfahrung im Psychologieunterricht – ein Dilemma

  • Martina Wäcken

摘要

Schon der Titel des Kapitels verweist darauf, dass die Frage, ob Selbsterfahrung im Psychologieunterricht einen Platz haben sollte, schwierig zu beantworten ist. Bei einem Fach, in dem menschliches Verhalten und Erleben im Zentrum steht, scheint es naheliegend, dass persönliche Erfahrungen und individuelles Erleben der Schüler*innen einbezogen werden können oder sogar sollten, zumal Selbsterfahrung im Kontext von Ausbildung und Berufspraxis vieler Psycholog*innen relevant ist. Dem entgegen stehen unter anderem die Funktion und Rahmenbedingungen von Schule und die Rolle der Lehrer*innen im System Schule. Nach einem Rückblick auf unterschiedliche didaktische Positionen und insbesondere auf die Sichtweise von Ansätzen der Humanistischen Pädagogik (Abschn. 13.3), wird das Für und Wider eines selbsterfahrungsorientierten Psychologieunterrichts diskutiert (Abschn. 13.4). Der Chance, die Inhalte des Faches nicht nur als kognitive Wissensbestände zu vermitteln, sondern lebendig und persönlich bedeutsam werden zu lassen, steht das Risiko gegenüber, im Rahmen von Schule notwendige Grenzen zu überschreiten. Im Ergebnis wird für einen sehr vorsichtigen und reflektierten Einsatz einzelner Selbsterfahrungselemente nur unter bestimmten Voraussetzungen plädiert (Abschn. 13.5). Einige Beispiele aus der Unterrichtspraxis der Autorin zeigen Möglichkeiten, wie Selbsterfahrungselemente punktuell genutzt werden können (Abschn. 13.6). Das Dilemma kann in diesem Kapitel nicht aufgelöst werden, aber der Einsatz und die Grenzen von Selbsterfahrungselementen im Psychologieunterricht sollten im Rahmen der Psychologiedidaktik weitergehend erforscht werden (Abschn. 13.8).