Kälte
摘要
Weil die Leser heute ganz andere Spielarten literarischer Kälte, Coolness, Lakonie, Härte gewohnt sind, kann es verwundern, dass sich der Schriftsteller Thomas Mann zeitlebens Vorwürfen der »Kälte« ausgesetzt sah. »Ich bin ein ›kalter Künstler‹, es steht in mehr als einer Zeitschrift«, klagt er am 19. 8. 1904 in einem Brief an Ida Boy-Ed[aut]Boy-Ed, Ida (GKFA 21, 297). Da war gerade erst die Novelle Tonio KrögerTonio Kröger erschienen, die zwar eine Poetik des »Aufs-Eis-legen der Empfindung« (GKFA 2.1, 277) zelebriert und von den »kalten Ekstasen« des »artistischen Nervensystems« (ebd., 270) spricht, dabei aber durchaus warme Sentimentalität entwickelt.