Die Antithese von Bürger und Künstler erscheint als einer der konstitutiven Gegensätze im Werk Thomas Manns (Kurzke 2010, 86–116): Den »Blonden und Blauäugigen« (GKFA 2.1, 318), die naiv und lebenstüchtig »herumgehen und lachen und Geld verdienen und sich den Bauch vollschlagen« (GKFA 5.1, 303), stehen sentimentalisch und distanziert die Künstler gegenüber, die die Scheinhaftigkeit der Welt durchschauen und sich deshalb ihren unreflektierten Mitmenschen überlegen fühlen. Das Spektrum der Künstlerfiguren erstreckt sich dabei von »junge[n], bleiche[n] Genies« (GKFA 2.1, 408), die an den Rändern der Gesellschaft ihr Dasein fristen (Beim ProphetenBeim Propheten), bis zu etablierten Schriftstellern, die trotz aller gesellschaftlichen Akzeptanz ein Leben als »Abenteurer des Gefühls und des Geistes« (GKFA 13.1, 438) führen. Doch nicht nur Manns Erzählungen, Romane und autobiographische Schriften kreisen um die Frage, wie unter den Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft eine künstlerisch-schöpferische Existenz möglich sei; auch in Essays und tagespolitischen Äußerungen argumentiert er vielfach mit den Kategorien ›Bürger‹ und ›Künstler‹.

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Bürger/Künstler

  • Christian Baier

摘要

Die Antithese von Bürger und Künstler erscheint als einer der konstitutiven Gegensätze im Werk Thomas Manns (Kurzke 2010, 86–116): Den »Blonden und Blauäugigen« (GKFA 2.1, 318), die naiv und lebenstüchtig »herumgehen und lachen und Geld verdienen und sich den Bauch vollschlagen« (GKFA 5.1, 303), stehen sentimentalisch und distanziert die Künstler gegenüber, die die Scheinhaftigkeit der Welt durchschauen und sich deshalb ihren unreflektierten Mitmenschen überlegen fühlen. Das Spektrum der Künstlerfiguren erstreckt sich dabei von »junge[n], bleiche[n] Genies« (GKFA 2.1, 408), die an den Rändern der Gesellschaft ihr Dasein fristen (Beim ProphetenBeim Propheten), bis zu etablierten Schriftstellern, die trotz aller gesellschaftlichen Akzeptanz ein Leben als »Abenteurer des Gefühls und des Geistes« (GKFA 13.1, 438) führen. Doch nicht nur Manns Erzählungen, Romane und autobiographische Schriften kreisen um die Frage, wie unter den Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft eine künstlerisch-schöpferische Existenz möglich sei; auch in Essays und tagespolitischen Äußerungen argumentiert er vielfach mit den Kategorien ›Bürger‹ und ›Künstler‹.