›Weimarer Klassik‹ als harmonisch-spannungsloses, in sich homogenes Phänomen, als Ideologie oder in sich geschlossene Ideenwelt gab es für Thomas Mann nicht; er hat den Begriff ›Klassiker‹ ohnehin gemieden, weil der mit der »Vorstellung langweiliger Würde« verbunden zu sein pflege, das ›Klassische‹ mit trockener, abstrakter und blutloser »Schulgerechtheit und Mustergültigkeit« (GW IX, 229). Vorbildlich sei das Klassische nicht als das »allgemein Vorbildliche«, sondern nur als »anfängliche Gründung einer geistigen Lebensform durch das Lebendig-Individuelle«, in der sich späteres Leben wiedererkennen und in dessen Fußstapfen es wandeln könne. Als Klassiker in diesem Sinne hat er vor allem Lessing[aut]Lessing, Gotthold Ephraim gewürdigt; Lessing war für ihn »der Klassiker des dichterischen Verstandes« (GW IX, 232).

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Weimarer Klassik

  • Helmut Koopmann

摘要

›Weimarer Klassik‹ als harmonisch-spannungsloses, in sich homogenes Phänomen, als Ideologie oder in sich geschlossene Ideenwelt gab es für Thomas Mann nicht; er hat den Begriff ›Klassiker‹ ohnehin gemieden, weil der mit der »Vorstellung langweiliger Würde« verbunden zu sein pflege, das ›Klassische‹ mit trockener, abstrakter und blutloser »Schulgerechtheit und Mustergültigkeit« (GW IX, 229). Vorbildlich sei das Klassische nicht als das »allgemein Vorbildliche«, sondern nur als »anfängliche Gründung einer geistigen Lebensform durch das Lebendig-Individuelle«, in der sich späteres Leben wiedererkennen und in dessen Fußstapfen es wandeln könne. Als Klassiker in diesem Sinne hat er vor allem Lessing[aut]Lessing, Gotthold Ephraim gewürdigt; Lessing war für ihn »der Klassiker des dichterischen Verstandes« (GW IX, 232).