Tränen
摘要
Tränen stellen – so wie das „euphorische Auge“ – unverwechselbare Merkmale von Mayröckers Poetik dar. Sie sind komplementäre Facetten der ‚melancholischen‘ Persönlichkeit der fiktionalen Autor-Figur. Mayröckers Schriftsteller-Ich steht hiermit in der europäischen Tradition des saturnisch-melancholischen Menschen. Die wiederkehrenden Tränen in den Texten spiegeln die außergewöhnliche Feinfühligkeit des sprechenden Ich wider und sind der Ausdruck seiner intensiven Reaktionen auf innere und äußere Geschehnisse. Die auch bei Derrida leitmotivisch erwähnten Tränen („wollen Sie mit mir über Tränen sprechen?“) werden zu dem gemeinsamen Merkmal, in welchem sich die Autorin wiedererkennt. Seit dem Tod von Ernst Jandl sind die Tränen immer auch der Ausdruck der tiefen Trauer um den verlorenen Lebensgefährten. Ebenso drücken sie die tiefe Empathie des sprechenden Ich gegenüber allen Lebewesen (Menschen, Tieren und Pflanzen) aus.