Tod, Trauer und Melancholie
摘要
In der Hinwendung zu Vergangenem schafft Mayröcker ein Spätwerk, das definitiven Trennlinien zwischen Trauer und Melancholie abhold ist. Im Oszillieren zwischen diesen Polen stimmt Mayröcker ein Lamento an und erinnert an die Verluste, die das Leben begleiten. Der Tod eines geliebten Menschen oder vorbildlichen Künstlers wie auch der Schwund von Entitäten (Gesellschaft, Zuhause, Sprache) führen in ihren ‚Studien‘ mit ihren ‚Fetzchen‘-Sätzen zu einer fortwährenden Ich-Verarmung in der nach Sigmund Freud konzeptualisierten Melancholie. Diese Melancholie wird hinwiederum zur Antriebskraft der eigenen Textproduktion und des Einschreibens in einen männlich kodierten Kanon. Aus dem Jenseits flüstern insbesondere ab 2000 unablässig die Wegbegleiter, die in früheren Texten Anlass zur Selbsterniedrigung, aber auch Anstöße zur eigenen Schöpfung gaben.