cahier (2014)
摘要
In cahier (2014), dem zweiten Band von Friederike Mayröckers Trilogie, steht das Projekt einer Lebensniederschrift im Zentrum, das auf den poetologischen Grundlagen von études (2013) aufbaut und gegen das Erzählen opponiert. Das Aufbrechen narrativer Einsinnigkeit vollzieht sich über die Traummechanismen der Verschiebung und Verdichtung sowie eine Poetik der elliptischen Abbreviatur, die vielfältig andockbare Textbausteine hervorbringt. Auch indem die dadaistische Ästhetik der Collage und die Bildtechniken des Kubismus und des Pointillismus simuliert werden, werden narrative und lineare Strukturen durchkreuzt. Zudem wird mittels sprachlich-textueller Assimilierung vegetabiler Strukturen eine Poetik der Vernetzung verfolgt, die den Eindruck eines unkontrolliert wuchernden, quasi organischen Schrift-Körpers entstehen lässt, wobei sich cahier an Francis Ponge sowie Jean Genet anlehnt, an dessen Blumenromanen Derrida in Glas (frz. 1974, dt. 2006) seine Apologie der Blumen ausrichtet.