ich bin in der Anstalt. Fusznoten zu einem nichtgeschriebenen Werk (2010)
摘要
ich bin in der Anstalt. Fusznoten zu einem nichtgeschriebenen Werk (2010) besteht aus 243 ‚Fußnoten‘. Damit wird das Formprinzip radikalisiert, das Jacques Derridas autobiographischen Text „Zirkumfession“ (frz. 1991, dt. 1994) kennzeichnet. In Fortschreibung der von Derrida in diesem Text unternommenen Relektüre der Confessiones (397–401) des Augustinus inszeniert Mayröcker das Bekenntnis als performative Praxis, wobei sich an den Selbstsezierungen des Ich Analogien zur Body Art abzeichnen. Mit Bezug auf Derridas Aufzeichnungen eines Blinden (frz. 1990, dt. 1997) wird das Auge als physisches Organ in seiner Körperlichkeit exponiert und dem Augenmotiv die in der literarischen Tradition dominante Sinnbildlichkeit entzogen. Dem entspricht die Betonung der Materialität der Zeichen, das ‚Auge‘ interessiert weniger als Symbol denn als Signifikant. Damit einher geht das in Rekurs auf Herder und Goethe ins Spiel gebrachte Konzept eines fühlenden Sehens, das Mayröcker auch zeichnerisch gestaltet hat.