Schreiben und/als Leben: Auto(r)inszenierungen
摘要
Die Verschränkung von Schreiben und/als Leben, wie sie für Mayröckers autofiktionale Praxis kennzeichnend ist, hat eine Serie von text- und genreübergreifend inszenierten Autorschaftskonzepten hervorgebracht, die zwischen Faktualität und Fiktion oszillieren. Der autofiktionale Charakter dieser Auto(r)inszenierungen tritt besonders deutlich in der Dialogisierung literarischer und (scheinbar) autobiographischer Texte hervor, wie sie in den Magischen Blättern gesammelt sind. Das Ich der Texte Mayröckers inszeniert sich als poeta vates in der Tradition des antiken, göttlich inspirierten Dichters, als scripteur im Sinne Roland Barthes’, als ‚Lumpensammlerin‘ im Sinne Charles Baudelaires und – weniger ostentativ, denn vielmehr heimlich – als ‚poeta docta‘. Was für Mayröckers Werk gilt – dass die transformierende Aneignung von kulturell Gegebenem eine singuläre Originalität hervorbringt –, gilt auch für ihre zwischen Authentizität und Inszenierung changierende Kunstfigur als Autorin.