Requiem für Ernst Jandl (2001)
摘要
Requiem für Ernst Jandl nimmt eine Sonderstellung im Werk Mayröckers ein, indem sich der gesamte Text auf ein zentrales Ereignis, den Tod des Gefährten, bezieht. Die von der Autorin frei ausgelegte Gattung des Requiems dient als Gefäß für streng datierte und in Schreibweise und Textsorte ausgesprochen unterschiedliche Textanteile, die im Sinne eines Nachrufs, einer Totenklage, eines Ansturms von Erinnerungen gelesen werden können. Im Zentrum steht die große Klagerede, in der sich das trauernde Ich verausgabend dem Schmerz und der Erinnerung ausliefert und in der Textarbeit und Trauerarbeit sich gegenseitig bedingen. Mit ihren experimentierenden und affektpoetisch wirkungsvollen Stilmitteln führt die Autorin jenen insbesondere den Frauen zugeschriebenen Exzess im Trauern vor, der in der Geschichte des Umgangs mit dem Tod zunehmend tabuisiert worden ist.