Leben schreiben: Biographie und Biographielosigkeit
摘要
Jeder biographische Abriss über Friederike Mayröcker hat sich mit der paradoxalen Situation auseinanderzusetzen, dass die Person, über die es zu schreiben gilt, in ihren autofiktionalen, zwischen Wirklichkeit und Fiktion oszillierenden Texten auf ihrer ‚Biographielosigkeit‘ insistiert, dabei aber ein Werk hervorgebracht hat, das sich, ihren Selbstaussagen zufolge, durch das Ineinander von Leben und/als Schreiben konstituiert. Für Mayröcker gilt, dass das Leben nicht, wie in der Logik der klassischen Biographie, hinter, sondern im Werk auszumachen ist, indem sich das Leben im Werk gleichsam als Spur des schreibenden Körpers niederschlägt. Dem Prozess des Performativen entsprechend, der die Trennung von Sprache und Wirklichkeit aufhebt und die Dimensionen des Symbolischen und des Realen in eins setzt, bringen Leben und Schreiben einander wechselseitig hervor, wobei es als Signatur des Mayröcker’schen Werkes gelten kann, dass es diese Gleichursprünglichkeit im Werk selbst reflektiert.