Erasmus – Von der Schwierigkeit, in heroischen Zeiten Kosmopolit zu sein
摘要
In den Turbulenzen der Reformationszeit, in der der Konflikt zwischen den später als Protestanten bezeichneten Anführern und Anhängern der Reformation einerseits und der Kirche andererseits die Welt in Freunde und Feinde teilte, hatte ein über dieser Spaltung stehender Weltbürger keinen gewiesenen Platz. Erasmus von Rotterdam, der bis heute als Begründer einer veritablen «republique des lettres» humanistischer Prägung gilt, und dessen Lehre vom freien Willen des Menschen vom polternden Martin Luther mit beißender Polemik bedacht wurde. Erasmus, stand zwischen den beiden sich herausbildenden christlichen Konfessionen als ‹Weltkind in der Mitten›. Er hatte seine Methode und seinen Stil der Öffentlichkeitsarbeit in der vornehmen Form der indirekten Rede gefunden, wofür die Schrift Lob der Torheit paradigmatisch steht. Hier spricht die Torheit selbst, so dass offen bleibt, ob dies eine bewusste Tarnung oder eine Verteidigung des berühmten Satzes von Paulus ist, dass Christus die Weisheit der Welt zur Torheit geraten lasse. Erasmus – das zeigt der Text – war der Partisan des kritischen Humanismus im Lager der Feinde des Humanismus.