Altruismus in der römischen Stoa
摘要
Die antike Philosophie kennt den Begriff des Altruismus nicht. Dieser liegt sozusagen quer zu ihrer Anthropologie und ihren Vorstellungen von Glück, Tugend und Pflicht. Der Beitrag prüft nach knapper Vorstellung zentraler Lehrinhalte anhand philosophischer Schriften Ciceros und Senecas, inwiefern moderne Konzepte von Altruismus zumindest teilweise mit der Stoa, die für die römische Oberschicht herausragende Bedeutung besaß, kompatibel sind. Es zeigt sich, dass die größten Kontaktflächen zu einem ‚rationalen Altruismus‘ bestehen: Die stoische Oikeiosis-Lehre, in der die Grenzen von ‚self-concern‘ und ‚other-concern‘ aufgehoben werden, liefert eine theoretische Grundlage, die sich praktisch in der ‚Sorge‘ (cura) um sich selbst und die anderen ausdrückt. Die Lehre von der ‚Wohltätigkeit‘ (beneficentia) buchstabiert gemeinschaftsdienliches Verhalten als Aufbau eines auf Dauer angelegten reziproken zwischenmenschlichen Verhältnisses aus und kann als Prüfstein moderner Konzepte dienen.