Banden, Crews und Cliquen. Kollektive Körper der Adoleszenz
摘要
Als „kollektive Körper“ bezeichnet der Beitrag Gruppen-Akteure in Texten für und über die Jugend. Ausgangsbeobachtung ist, dass das einzelne Individuum mit seiner durch Introspektionen erzählten Gefühlswelt in literarischen Jugenddarstellungen nicht allein auftritt, sondern sich oft in einem Kollektiv von Freund:innen und Mitstreiter:innen bewegt. Zurückgeführt werden Gruppen, Gangs und Cliquen in der Jugendliteratur auf politische, stadtarchitektonische und ökonomische Entwicklungen des frühen 20. Jahrhunderts, die die Herausbildung von Jugendgangs in urbanen, migrantischen Milieus begünstigt haben. Dass die Literatur dieses soziologisch und anthropologisch erforschte Phänomen gleichzeitig zum Ausgangspunkt unterschiedlicher vor allem politischer Alternativerzählungen machte, zeigen Beispiele aus der Literatur der Weimarer Zeit aber auch aktuelle Erscheinungen. Wie sich Jugend nicht anhand eines Individuums, sondern im Kollektiv erzählen lässt und was für politische und ästhetische Implikationen eine kollektive Erzählung hat, untersucht der Beitrag anhand zweier Beispiele der Gegenwartsliteratur: Angela Lehners 2001 und Sarah Jägers Die Nacht so groß wie wir.