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Das Konzept der Metadoxie

  • Tino Schmidt,
  • Matthias Schmidt

摘要

Das folgende Kapitel untersucht zunächst die grundsätzlichen Begrenzungen des Begrifflichen. Denn der Versuch, vom allgemeinen Begriff auf die zugrunde liegenden Besonderheiten zurück zu schließen zeigt, dass Begriffe in der Synthese nicht eindeutig und vollständig die ihnen zugrunde liegenden Begriffe enthalten sind. Die Rückführung vom allgemeinen Begriff der Synthese auf die zugrunde liegenden Gegensätze führt oft zu widersprüchlichen Ergebnissen, da Begriffe unbestimmt sind. Ein empirisches Beispiel mit dem Begriff „Materie“ verdeutlicht diese Unbestimmtheit. Die Unbestimmtheit der Synthesebegriffe zeigt sich daran, dass man von ihnen nicht eindeutig auf die Basisbegriffe zurückschließen kann. Im Gegensatz zu rein formalen Systemen, die auf Beweisbarkeit basieren, zeigt sich, dass Synthesebegriffe eine implizite Grundlage haben, die über die bloße Summe der Basisbegriffe hinausgeht. Diese implizite Grundlage ist notwendig für die Gültigkeit des gesamten Systems, ähnlich wie unbeweisbare, aber wahre Sätze in einem formalen System. Das Denken entwickelt also neue Begriffe, die mehr enthalten als die Summe ihrer Teile. Dabei wird nicht etwas hinzugefügt, sondern das implizit Gemeinsame der Gegensätze offenbart. Synthesebegriffe haben daher einen größeren Umfang und eine Unbestimmtheit, die sie von ihren Basisbegriffen unterscheidet. Die Bedingungen für die Annahme der Wahrheit einer Behauptung und die Bedingungen für die Konstitution von Wissen (Rechtfertigung) schließen sich somit paradoxerweise aus. Unser (begriffliches) Denken strebt zugleich danach, die Wahrheit durch den Bezug zu etwas außerhalb des Begriffs zu erfassen. Diese idealisierte Zielvorstellung kann jedoch nicht durch begriffliche Abstraktion ausgedrückt werden. Obwohl wir den Eindruck haben, dass unsere Begriffe eine außerbegriffliche Wirklichkeit beschreiben, beziehen sie sich in Wirklichkeit nur auf das Begriffliche selbst. Im Denkprozess setzen wir unseren Begriffen ein implizites, „vorbegriffliches“ Element voraus, um deren übergeordnetes Ideal als Bezug zur Wirklichkeit explizit zu machen. Unser Denken beruht daher nicht auf einer Negativität der Begriffe, sondern auf der Schaffung eines Positiven im Umgang mit dieser Negativität. Die von uns erstellten Begriffe korrespondieren nicht direkt mit der Wirklichkeit, sondern mit einem „vorbegrifflichen Etwas“, durch das sie versuchen, die Wirklichkeit zu erfassen. Daher ist es unmöglich, eine direkte Entsprechung zwischen Begriffen und Wirklichkeit in ihrer begrifflichen Beschreibung herzustellen. Das „vorbegriffliche Element“, das wir im Denkprozess voraussetzen und von dem wir annehmen, dass es die Wirklichkeit meint, wird als „Metadoxie“ bezeichnet, weil es allen Annahmen über die Wirklichkeit zugrunde liegt. Dieses vorbegriffliche Element ist der nicht-begriffliche Hintergrund jeder Aussage und jedes Gedankens über die Welt. Die Metadoxie ist kein Ersatzbegriff für Hegels Absolutes. Das Denken findet in der Metadoxie nicht zu sich selbst oder zu seinem Begriff. Die Wirklichkeit ist keine „Metadoxie unseres Denkens“. Das Metadoxon ist das Element, das im Denkprozess vorausgesetzt wird und den Bezug zwischen Begrifflichkeit und Wirklichkeit erst ermöglicht. Es bildet den Kern der Interaktion des abstrakten Begriffs mit der Welt. Das Metadoxon ist jedoch weder ein Spiegel der Wirklichkeit noch eine Brücke zur Wirklichkeit. Es ist nur der Spiegel und die Brücke zu dem vorbegrifflichen Ideal von Wirklichkeit, das wir allem Begrifflichen voraussetzen – eine unbestimmte Gewissheit. Unser Denken zielt auf ein vorbegriffliches Ideal von Wirklichkeit, das wir voraussetzen und das uns nur als Gefühl begegnet: das Gefühl einer unbestimmten Gewissheit des Geglaubten. Dieses Gefühl der Gewissheit kann sich nicht selbst logisch erklären oder rechtfertigen – es rechtfertigt das Geglaubte ohne eigenen Rechtfertigungsgrund. Das ultimative Ziel der Wahrheitssuche sollte also darin bestehen, dieses vorbegriffliche Element in unserem Denken zu entschlüsseln, das uns die Welt des begrifflichen Denkens eröffnet, aber die Wirklichkeit nur als idealisierte begriffliche Vorstellung denkbar macht: das Metadoxon unseres Denkens.