Die Gesetzesinterpretation als hermeneutisches Verfahren. Ein Plädoyer für eine pragma- und psycholinguistisch fundierte (Re-)Formulierung der juristischen Hermeneutik
摘要
Die konventionellen – hermeneutischen – Methoden der Gesetzesauslegung sind ungebrochen in Verruf. Die para-, post- und antihermeneutische Methodenkritik geht dabei – in der Breite oft mehr gefühlt als bewusst rezipiert oder gar kritisch reflektiert – in eine für die gegenwärtige Jurisprudenz symptomatische methodentheoretische und -praktische Beliebigkeit ein. Dies ist so symptomatisch wie erstaunlich, da keiner der existierenden methodenkritischen Ansätze seinerseits frei von grundlegenden konzeptionellen Fehlern ist. Auf der anderen Seite ist es auch die durch ihr geistesgeschichtliches Erbe belastete Hermeneutik selbst, die ein die Verstehensdimensionen des Rechtsanwendungsprozesses akkurat erfassendes und hinreichend konturenscharfes wie operables Methodenpaket jedenfalls nicht in der notwendigen methodischen Klarheit und konzeptionellen Entschiedenheit anbietet. Der Beitrag unternimmt den Versuch, ein kommunikationstheoretisches Modell der Gesetzesanwendung als Grundlage für deren pragma- und psycholinguistisch fundierte Reformulierung zu skizzieren.