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Euthyphron: Die Suche nach der Frömmigkeit im frömmelnden Denken

  • Sebastian F. Seeber

摘要

Euthyphron, der das Fromme genau zu kennen meint und dies nicht zuletzt durch die fragwürdige Handlung, den eigenen Vater wegen Mordes zu verklagen, zum Ausdruck bringt, erklärt sich bereit, Sokrates über das Fromme zu unterrichten. Bereits im Vorgespräch deutet sich an, dass jeder Handlung eine Bewertung zugrunde liegt, jeder Bewertung ein Wissensanspruch und jedem Wissensanspruch die Annahme, dass es den Gegenstand des vermeintlichen oder wirklichen Wissens auch gibt. Der Artikel verfolgt, wie der sokratische Gesprächspartner Stufe um Stufe in seinen eigenen Voraussetzungen zurückschreitet: Er findet die Frömmigkeit zunächst auf der äußerlichen Handlungsebene, dann in den subjektiven Bewertungen der Götter und schließlich – mit Sokrates’ Hilfe – als Ausdruck des Guten bzw. Gerechten selbst. Zuletzt aber zeigt sich, dass dieses Gute bei Euthyphron nur ein gedachtes und kein wirkliches ist, das vor der sokratischen Prüfung nicht bestehen kann: sein eigenes frömmelndes Selbstverständnis.