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Jenseits von Geist und Buchstaben: die existenziale Dimension der Universalpoesie

  • Yiyun Lu

摘要

In Schlegels romantischer Poetik gibt es, so wird in der vorliegenden Arbeit behauptet, neben dem herkömmlichen metaphysischen Natur- und Zeitbegriff ein ansatzweise existenziales Verständnis von Welt und Zeit, wonach die Zeit das Sein selbst ist. Eine derartige Zeit steht als eine ‚dritte‘ Dimension zwar mit allen Dingen in Zusammenhang, gehört aber weder dem ‚Geist‘ noch dem ‚Buchstaben‘ zu, weil sie das ‚Erzeugen‘ (φύω) per se ist. So tritt der Kern der Romantik, nämlich das Konzept der ‚Menschheit‘ hier in den Hintergrund, da es keines ‚Zentrums‘ mehr bedarf – stattdessen spielt nun die dynamische, intersubjektive Beziehung die Hauptrolle; dies kommt vor allem in Schlegels Liebesbegriff zum Ausdruck. Auf einem solchen existenzphilosophischen Verständnis basierend wollte Schlegel sodann eine ‚neue Mythologie‘ vom Dionysischen und Apollinischen herausarbeiten, die letztlich eine Art Vorwegnahme von Nietzsches Existenzphilosophie darstellt. Dementsprechend wächst auch der Sprache eine existenziale Konnotation zu, was vor allem in Schlegels Auseinandersetzung mit den antiken Rhetoren bzw. mit der Prosa zu sehen ist.