„Proklamationen des Menschen ohne Menschen“. Brechts Kritik an der Inszenierung von Humanität in Tollers expressionistischen Dramen
摘要
In seinen kritischen Schriften zur zeitgenössischen Theaterkultur der frühen Weimarer Republik schärft Bertolt Brecht sein Verständnis einer modernen Dramenästhetik in polemischer Abgrenzung zum literarischen Expressionismus. Autoren wie Georg Kaiser oder auch Ernst Toller versuchten, so Brecht, durch einen pathetischen und pseudovisionären Stil über die inhaltlichen und formalen Schwächen ihrer Dramen hinwegzutäuschen. Insbesondere hinter der lautstarken Verkündigung eines ‚neuen Menschen‘ und der Forderung nach einer moralischen Erneuerung der Gesellschaft vermutet Brecht, wie im vorliegenden Beitrag erläutert wird, eine grundsätzliche Ratlosigkeit bezüglich der Frage, wie angesichts der fundamentalen Krise der abendländischen Metaphysik und religiösen Traditionen sowie der politischen und sozialen Umwälzungen der Moderne ein zeitgemäßes Verständnis von Humanität aussehen könnte.