Die Lust und ihre Qualen
摘要
Keine Frage: Lust und Schmerz stellen die Pole dar, zwischen denen unser Leben aufgespannt ist, sie definieren unser Verhältnis zur Welt: die Lust in einer bejahenden, affirmativen Weise, der Schmerz als erlebte Negativität. Schmerz und Lust gehören aber auch in anderer Weise zusammen: Schmerz kann in Lust umschlagen, Lust kann in tiefem Schmerz enden, und antike Weisheitslehrer wie Epikur oder auch die Stoiker empfahlen, es mit den Lüsten nicht zu übertreiben, ansonsten wären unangenehme Folgeschmerzen nicht zu vermeiden. Nicht Lustfeindlichkeit bestimmte dieses Denken, sondern das Wissen um den inneren Zusammenhang von Leid und Lust. Wenn es darum geht, sowohl in körperlicher als auch in seelischer Hinsicht Schmerzen zu vermeiden, zumindest zu minimieren, sollte man mit seinen Lüsten achtsam und in wohl dosierter Form umgehen und sich auch von jenen Eruptionen der Affekte freihalten, die eine schmerzfreie Ruhe des Seelenlebens nur stören können. Distanz und Gelassenheit sind keine besonderen Tugenden, sondern Methoden der Schmerzvermeidung. Dass es zum Wesen der Lust gehört, weil sie sich in der Unmittelbarkeit entfaltet, mögliche schmerzhafte Konsequenzen einfach auszublenden, ist dabei mitunter übersehen worden.