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(Potenzielle) Natürliche Vegetation und Ökogramme nach Ellenberg

  • Walter Dörfler,
  • Manfred Rösch,
  • Ingo Feeser

摘要

In vielen Regionalkapiteln wird auf die sogenannte potenzielle natürliche Vegetation (PNV) verwiesen. Unter diesem auf Tüxen (1956) zurückgehenden Konstrukt versteht man die hypothetisch sich letztendlich einstellende Vegetation , wie sie sich nach Aussetzen menschlicher Eingriffe im jeweiligen Gebiet entwickeln würde. Im Gegensatz zur natürlichen Vegetation sensu Hueck und Scamoni, die eine hypothetische Vegetation ohne jeglichen menschlichen Einfluss in Vergangenheit und Gegenwart darstellt (Scamoni 1964), geht die PNV also von den gegenwärtigen durch menschliche Nutzung veränderten Standortfaktoren und dem aktuellen Artengefüge inklusive aller vorhandenen Neophyten aus. Kritisiert wird das Konzept der PNV für die mangelnde Berücksichtigung der langfristigen Dynamik von Ökosystemen, wie z. B. Sukzessionsprozesse oder Bodenentwicklung, sowie Unsicherheiten bei der Beurteilung potenziell wichtiger Standortfaktoren, wie natürliche Feuer oder Wildverbiss (vergl. Exkurs Kap.  51 ). Ein interessanter Ansatz, die PNV experimentell zumindest kleinräumig zu erschließen, ist das Bannwaldkonzept. Ausgesuchte Waldgebiete in unterschiedlichen Wuchsregionen werden dabei aus der forstlichen Nutzung genommen und sich selbst überlassen. Sie sollen sich zu „Urwäldern“ aus zweiter Hand entwickeln. Die Beschreibung der PNV im Rahmen der Regionalkapitel soll als eine vegetationskundliche Charakterisierung des großräumigen Standortpotenzials bezüglich klimatischer und edaphischer Faktoren verstanden werden. Eine schematische Übersicht der grundlegenden standörtlichen Differenzierung für Mitteleuropa bezüglich ausgewählter abiotischer Faktoren hat Ellenberg (1986) in sogenannten Ökogrammen dargestellt. So zeigt Abb. 66.1 links die Verbreitung der rezenten mitteleuropäischen Laubwaldgesellschaften entlang des standörtlichen Feuchte- und Säuregradienten. Auf Grundlage der Boden- und Klimaansprüche kann man auch für vergangene Zeiten hypothetische Ökogramme erstellen, um die räumliche Verteilung der unterschiedlichen potenziellen prähistorischen Pflanzengesellschaften zu veranschaulichen (Knitter et al. 2019). Dies ist natürlich nur im groben Maßstab möglich, da auch die Böden und das Klima sich seit prähistorischen Zeiten weiterentwickelt und verändert haben. So kann z. B. für das späte Atlantikum – vor Einwanderung der Buche – eine Vegetation postuliert werden, die auf trockenen kalkreichen Böden von einem lindenreichen Eichenmischwald, auf trockenen sauren Böden hingegen von einem Eichen-Birken-Wald gebildet würde. Abb. 66.1 zeigt rechts diese Verteilung im Vergleich zu den rezenten von Buchen dominierten Waldgesellschaften. Soll aus einem Pollendiagramm eine flächige Verteilung abgeleitet werden, so muss die unterschiedliche Pollenproduktion und -verbreitung der einzelnen Arten und Gattungen allerdings berücksichtigt werden (siehe Kap.  5 : Kalibration von Pollendaten).