错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Megaherbivoren-Theorie und halb offene Weidelandschaften

  • Walter Dörfler

摘要

Halb offene Weidelandschaften haben einen parkartigen Charakter und stellen einen für den Menschen angenehmen Landschaftstyp dar. Ob dabei die Tatsache eine Rolle spielt, dass man einerseits Feinde oder gefährliche Raubtiere von Weitem sehen kann, andererseits aber sich vor potenziellem Jagdwild verstecken kann, sei dahingestellt. Der Mensch bewegt sich gerne in einer solchen Landschaft. Ende der 1990er-Jahren stellte Vera (2000) die Hypothese auf, dass nicht der geschlossene Wald, sondern vielmehr eine durch Megaherbivoren, also große Pflanzenfresser, offen gehaltene Landschaft den natürlichen Zustand Mitteleuropas repräsentiert. Er argumentiert vor allem damit, dass sich die Eiche als Lichtkeimer unter dichter Beschattung nicht regenerieren kann. Pollendiagramme aus der Zeit, bevor der Mensch Ackerbau zu treiben und die Wälder aufzulichten begann, zeigen aber eine klare Dominanz von Waldbäumen. Kräuter und Gräser erreichen in der Regel nur Werte unter 5 % des Pollens aller Landpflanzen. Zwar sind die Bäume als gute Pollenproduzenten meist über- und Kräuter, besonders insektenbestäubte Arten, unterrepräsentiert, doch gibt es Möglichkeiten, dies rechnerisch auszugleichen (s. Kap.  5 ). So kommt man für die Zeit der Jäger und Sammler auf Offenlandflächen von maximal 10 bis 15 %. Dabei handelt es sich einerseits um natürliche Waldlichtungen, wo Bäume abgestorben sind. Solche Lichtungen können durch äsendes Wild einige Zeit offen gehalten worden sein. Andererseits gab es entlang von Flüssen und Bächen durch Biber gelichtete Bereiche. Der Biber verlässt den sicheren Bereich des Wassers zur Nahrungsaufnahme bis zu einer Entfernung von maximal 100 m. In diesem Bereich bringt er die Bäume durch Abfressen der Rinde oder direktes Fällen zum Absterben (Harthun 1999). Somit gestaltet er aktiv seine ökologische Nische als Pflanzenfresser. Lichtungen und diese Offenlandgalerien entlang der Gewässer bilden einerseits die Nahrungsgrundlage für Grasfresser wie Wisent, Auerochse und Pferd, andererseits bieten sie Standorte für die Regeneration von Eichen. Dass es den Wildtieren nicht gelungen ist, den Wald nachhaltig an der Ausbreitung zu hindern, liegt vor allem an dem Nahrungsengpass im Winter, der die Populationsgröße der Pflanzenfresser limitiert. So wurden die großen Pflanzenfresser des Glazials und Spätglazials wie Ren, Riesenhirsch und Mammut von dem sich ausbreitenden Wald verdrängt (s. Abb. 51.1). Darüber hinaus beschränken auch die Raubtiere, wie Wolf, Luchs und Bär, und nicht zuletzt der Mensch die Populationsgrößen der sich im Holozän etablierenden Herbivoren und der ebenfalls die Vegetation beeinflussenden Omnivoren und Nagetiere. Aus Sicht der Vegetationsgeschichte ist die Megaherbivoren-Hypothese von Vera somit widerlegt. Es mag parkartige Areale innerhalb des Waldes gegeben haben, aber der geschlossene Baumbestand hat dominiert.